Was im Arbeitsvertrag stehen sollte und was nicht

Wenn Sie wissen möchten, welche Punkte bzw. Inhalte Ihr Chef oder Vorgesetzter im Arbeitsvertrag festhalten darf oder nicht, sind Sie hier genau richtig.

Manchmal wird die Freude über den neuen Arbeitsplatz schnell gedämpft. Spätestens wenn der Arbeitsvertrag im Briefkasten liegt und man wegen des ganzen Juristendeutschs nur noch Bahnhof versteht.

Der Arbeitsvertrag - Paragraphen über Paragraphen doch was steht wirklich drin?!

In Deutschland hat der Arbeitgeber weitgehend Gestaltungsfreiheit für Arbeitsverträge. Natürlich gibt es Vorgaben und auch Richtlinien die für Verträge beachtet werden müssen. Diese Regelungen sind auf der einen Seite die gesetzlichen Vorgaben, die nicht ausgeschlossen werden dürfen. Sollte der Arbeitgeber dennoch diese Regelungen brechen, nutz es ihm auch nichts, dass der neue Mitarbeiter diese Regelungen durch seine Unterschrift akzeptiert hat, denn sie sind auf jeden Fall nicht gültig. Auch wenn bestimmte gesetzliche Regelungen nicht im Arbeitsvertrag erwähnt werden, gelten diese für den Mitarbeiter. Auf der anderen Seite müssen auch tarifliche Vereinbarungen berücksichtigt werden.

Allerdings bedeutet das nicht, dass damit alle wichtigen Punkte geklärt wären und man sich nicht die Mühe machen müsste, den ganzen Vertrag zu lesen. Denn obwohl zum Beispiel das Recht auf bezahlten Urlaub, die Entgeltfortzahlung bei Krankheit und an Feiertagen, der Kündigungsschutz und die entsprechenden Fristen oder der Mutterschutz berücksichtigt werden müssen, heißt dies nicht, dass Absprachen, die Sie zu diesen Themen gemacht haben, auch korrekterweise berücksichtigt wurden. Alle gesetzlichen oder tariflichen Vorgaben dienen nur einem gewissen Grundschutz, nicht aber, dass alle Dinge rund um den neuen Arbeitsplatz für den Arbeitnehmer geregelt sind.

Auf der folgenden Seite finden Sie eine Checkliste über die wichtigsten Punkte die für einen Arbeitnehmer im Vertragswerk zu berücksichtigen sind.

Checkliste für einen neuen Arbeitsvertrag

1. Sie sollten den Vertrag spätestens einen Monat nach Arbeitsbeginn von Ihrem Arbeitgeber erhalten. Im Normalfall sollten Sie Ihren Arbeitsvertrag aber schon früher bekommen. Sollte sich Ihr neuer Arbeitgeber Zeit lassen, sprechen Sie ihn noch mal auf Ihren Arbeitsvertrag an, denn für Sie ist das Risiko Ihren alten Arbeitsplatz ohne neuen Arbeitsvertrag zu kündigen, sehr hoch. Es ist schon oft vorgekommen, dass im letzten Moment noch Probleme auftraten, die das Zustandekommen des neuen Vertrags verhinderten. Aber auch wenn Sie Ihren Vertrag bereits vor Arbeitsbeginn erhalten haben, gilt es darauf zu achten, dass eine Klausel vorhanden ist, die Sie vor einer Kündigung vor Dienstantritt schützt.

2. Achten Sie drauf, dass Ihre neuen Tätigkeiten und ebenso die Verantwortung die Sie tragen, genau schriftlich festgehalten werden. Umso genauer dieser Teil des Arbeitsvertrages ausfällt, desto weniger Schwierigkeiten werden Sie während Ihrer Arbeitszeit haben. Leider wird dieser Teil von Arbeitgebern oft vernachlässigt. Denn es ist mit viel Arbeit verbunden, individuelle Arbeitsverträge zu erstellen, und oft wird nur einmal ein Arbeitsvertrag professionell erstellt und dann nur noch ein wenig angepasst. Sollten Sie das Gefühl haben, dass die Aufgaben- und Verantwortungsbeschreibungen für Ihren neuen Arbeitplatz nicht ausführlich genug oder ungenau sind, raten wir Ihnen nochmals mit dem neuen Arbeitgeber zu sprechen und den Vertrag nachbessern zu lassen.

3. Stellen Sie sicher, dass mündlich vereinbarte Lohnerhöhungen, nach der Probezeit zum Beispiel, schriftlich festgelegt sind. Nebenleistungen wie zum Beispiel die Nutzung des Firmenwagens, Prämien, vermögenswirksame Leistungen, betriebliche Altersvorsorge oder Fahrkostenzuschüsse sollten ebenfalls Bestandteil des Vertragwerks sein. Auch alle Fragen Rund um das Thema Überstunden - ob diese zum Beispiel bezahlt werden, oder ob sie unentgeltlich abgeleistet werden können - sollte festgehalten werden.

4. Sollten Sie eine Nebentätigkeit ausführen oder das für die Zukunft planen, ist es für Sie besonders wichtig sicherzustellen, dass diese im Arbeitsvertrag nicht ausgeschlossen wurde. Oft wird dies gemacht, obwohl der Arbeitgeber Nebentätigkeiten nur ausschließen darf, wenn die Haupttätigkeit durch diese negativ beeinflusst wird.

5. In einigen Arbeitsverträgen werden sogenannte Versetzungsklauseln festgelegt. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies, dass wenn der Arbeitgeber es für angebracht hält, kann er seine Mitarbeiter innerhalb des Unternehmens oder auch in ein Tochterunternehmen versetzen. Wollen Sie dies ausschließen, achten Sie darauf eventuelle Klauseln die diesen Punkt betreffen, streichen zu lassen.

6. Auch Wettbewerbsvereinbarungen werden in Arbeitsverträgen immer wieder festgelegt. Für den Arbeitnehmer bedeutet dies meist, dass nach der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, er sich für eine gewisse Zeit verpflichtet, keine Job in derselben Branche anzunehmen. Durch solche Vereinbarungen will sich das Unternehmen davor schützen, dass der ehemalige Mitarbeiter zum Beispiel Unternehmensstrategien im neuen Job verraten könnte und somit das neue Unternehmen Wettbewerbsvorteile bekommen könnte. Diese Vereinbarung wird eigentlich nicht für Berufsanfänger festgelegt, da als „Entschädigung“ das Unternehmen meist noch eine gewisse Zeit den Lohn weiter bezahlt.

7. Sind in Ihrem Arbeitsvertrag Klauseln, bei denen Sie unsicher sind oder die Sie nicht verstehen, scheuen Sie nicht zurück diese mit dem zukünftigen Arbeitgeber zu besprechen. Denken Sie daran, es ist für beide Seiten wichtig, dass schon vor Arbeitsbeginn alle heiklen Punkte geklärt wurden, da es sonst zu unangenehmen Überraschungen kommen kann.

8. Wenn Sie einen anderen Weg suchen, Ihre Zweifel zu beseitigen, sollten Sie sich Rat bei einem, auf Arbeitsrecht spezialisierten, Anwalt holen. Lassen Sie sich von Ihrem neuen Arbeitgeber nicht unter Druck setzen, wenn Ihr zukünftiger Chef Sie wirklich als Mitarbeiter will, kann er auch verstehen, dass Sie Ihren Arbeitsvertrag gründlich prüfen wollen.

9. Bevor Sie Ihren neuen Arbeitsvertrag unterschreiben, sollten Sie immer darauf achten, dass alle mündlichen Vereinbarungen und Zusagen im Arbeitsvertrag berücksichtigt wurden. Dies ist wahrscheinlich der wichtigste Punkt, denn wenn Sie dies versäumen, dürfen Sie sich nicht wunderen, wenn Sie im Laufe der Zeit auf Schwierigkeiten stoßen werden.