Verschlüsselungstechniken bei Arbeitszeugnissen

Arbeitgeber setzen bei der Erstellung von Arbeitszeugnissen auf Geheimcodes und Verschlüsselungstechniken. Wir stellen Ihnen diese Techniken vor.

Neben den Geheimcodes, haben Arbeitgeber noch weitere Möglichkeiten, den Inhalt des Arbeitszeugnisses zu verschlüsseln. Diese sind meist subtiler und man muss das Zeugnis schon sehr genau lesen, um sie zu finden. Wir werden Ihnen helfen die gängigsten Methoden zu erkennen.

Die beliebtesten Verschlüsselungstechniken im Arbeitszeugnis

Nummer 1
Der beliebteste Trick ist wahrscheinlich der, die wirklich relevanten Dinge wegzulassen. So bekommt das Arbeitszeugnis eine negative Wirkung, wenn zum Beispiel bei einem Manager, das Vertrauensverhältnis zu seinen Mitarbeitern fehlt oder bei Vertriebsleuten, das Verhältnis zu den Kunden nicht erwähnt wird.

Nummer 2
Eine weitere Verschleierungstaktik ist die, unwichtige Aufgabenbereiche des Mitarbeiters besonders hervorzuheben. So zeigt der Satz: "Die Mitarbeiterin war dafür zuständig, dass eine fehlerfreie Geschäftskorrespondenz möglich war sowie, dass alle administrativen Aufgaben und kleinere Projekte selbstständig erledigt wurden" im Arbeitszeugnis einer Chefsekretärin zum Beispiel, dass ihre eigentliche Hauptaufgabe, die eigenständigen Projekten, entwertet wurden.

Nummer 3
Auch immer wieder beliebt bei Arbeitgebern ist die Methode Selbstverständlichkeiten hervorzuheben und damit den neuen Arbeitgeber misstrauisch zu machen. So ist es für einen Manager oder Vertriebsmitarbeiter selbstverständlich ein gepflegtes Äußeres zu haben, oder für einen Controller völlig normal, ein sehr gutes mathematisches Wissen zuhaben.

Nummer 4
Seien Sie auf der Hut wenn in Ihrem Arbeitszeugnis Formulierungen wie zum Beispiel: "Bei XY galt er als Experte" stehen. Dies bedeutet meistens, dass der Arbeitgeber nicht der selben Meinung war und ist.

Nummer 5
Besonders schwierig ist es, die Mehrdeutigkeit einzelner Wörter oder bestimmter Phrasen herauszufinden. Sätze in denen Dinge stehen, wie zum Beispiel: "mit der für ihn typische Verhaltensweise…mit eigener Genauigkeit... sprechen für sich" sind mit Vorsicht zu genießen, denn meist bedeuten sie, dass das Unternehmen nicht mit dem Mitarbeiter zufrieden war.

Auch die gehäufte Verwendung des Passivs kann ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, das der Mitarbeiter nicht wirklich aktive am Geschäftsleben teilgenommen hat. Doch manchmal zeugt es einfach nur vom schlechten Deutsch des Zeugnissaustellers. Leichter zu deuten sind da hingegen Aussagen wie: "er war stets leistungswillig", denn hier wird zwar über die Leistungsbereitschaft gesprochen, aber nicht über den dazugehörigen Erfolg.

Ebenso können bestimmte Adjektive und Adverbien tückisch sein. So kann man bei "kritisch ... leistungswillig ... oder kommunikationsbereit" nicht deutlich erkennen, ob diese Begriffe positiv oder negativ besetzt sind.

Nummer 6
Eine der deutlichsten Verschlüsselungstechniken ist die doppelte Verneinung. Hierbei wird versucht dem oberflächlichen Leser weiß zu machen, dass der Mitarbeiter etwas wirklich gut gemacht hat, aber dem geschulten Leser fällt sofort auf, dass hier genau das Gegenteil ausgesagt werden sollte. Ein Beispiel hierfür ist: "Er hat sich nie unauffällig verhalten und hat sich stets in die Gruppe integriert."

Nummer 7
Achten Sie darauf, dass Ihr Arbeitszeugnis nicht zu kurz ausfällt. Normalweise, ist ein qualifiziertes Arbeitszeugnis eine bis anderthalb Seiten lang, dies differenziert natürlich mit der Dauer des Arbeitsverhältnisses ein wenig. Es sollte aber nicht viel kürzer sein, denn sonst kann der Verdacht aufkommen, dass etwas versteckt werden soll.

Nummer 8
Die Schlussformulierung Ihres Arbeitszeugnisses ist entscheidend. Oft lesen Personalchefs die Zeugnisse von hinten nach vorne und wenn die Schlussformel bedenken aufwirft, spart man sich die Zeit und ließt den Rest gar nicht mehr. Legen Sie großen Wert darauf, dass in der Schlussformulierung der Kündigungsgrund steht, vor allem wenn Sie diese ausgesprochen haben. Außerdem ist es wichtig, dass ein bedauern über Ihr ausscheiden ausgesprochen wird, man Ihnen für die gute Zusammenarbeit dankt und man Ihnen alles Gute für die Zukunft wünscht.